Sie knurren und fauchen, treten und boxen –

„Osterhasen“ können ganz schön robust sein

 

 

Der Hase ist seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil unserer Bräuche rund um das Osterfest. Ein Grund ist seine hohe Vermehrungsrate, sie hat ihn zum Sinnbild der Fruchtbarkeit gemacht, der andere ist seine Schnelligkeit und seine Fähigkeit, Verfolger auszutricksen. Dadurch war er wie geschaffen als Überbringer von Überraschungen.

 

Der Hase – ein athletischer Sportler

 

Und tatsächlich ist unser europäischer Feldhase ein wahrer Athlet: Schlank, langbeinig, mit bis zu sechs Kilogramm „Sprintgewicht“ ist er extrem schnell. Dabei rennt er keineswegs blindlings über Wiesen und Felder. Im Gegenteil, er nutzt jede Deckung in seinem Revier und versucht durch Hakenschlagen, Widergänge und Absprünge den Verfolger abzuschütteln. Das gelingt ihm auch meistens.

 

Mit Tricks gegen Angreifer

 

Feldhasen sind Bewegungsseher und sie haben einen besonders gut ausgeprägten Gehörsinn, erklären die beiden Jägervorstände Albert Reiner und  Robert Oberfrank. „Die außerordentlich langen und beweglichen Ohren sind hervorragende Schalltrichter, die auch leise, weit entfernte Geräusche auffangen können. So ist er bestens ausgestattet, um immer auf der Hut vor seinen Feinden zu sein.“

 

Wenn Tricksen nicht ausreicht, wird er grob

 

Vor seinen Angreifern schützt sich der Feldhase außerdem durch seine gute Tarnung und seine Fähigkeit, sich zu verbergen, ja fast unsichtbar zu machen. Hierzu Jägervorsitzender Oberfrank weiter: „Wenn das nicht reicht, greift er zu härteren Bandagen: So benutzt er seine Vorderläufe bei einem Angriff zum Schlagen und Boxen und mit den langen Hinterläufen teilt er ordentlich aus, um Artgenossen auf Distanz zu halten oder den unliebsamen Nebenbuhler von der auserwählten Häsin zu vertreiben.“

 

Klare Worte

 

Auch recht mitteilsam sind unsere Feldhasen mit einem großen Spektrum an Lauten: Sie gurren zum Anlocken von Artgenossen. Sie knurren und fauchen in Bedrängnis, knirschen mit den Zähnen, wenn sie sich wohl fühlen, und schreien in höchster Not.

 

Allein ist es am schönsten

 

Generell aber führen Feldhasen bevorzugt ein „Singleleben“.  Sie sind recht standorttreu und haben in ihrem Revier feste Wechsel und mehrere Lager, so genannte Sassen, die sie immer wieder abwechselnd aufsuchen.  Nur in der Rammel- oder Paarungszeit sind Feldhasen in größeren Gruppen anzutreffen, meistens konkurrieren dann mehrere Rammler um ein Weibchen.

 

Wählerisch bei der Nahrungssuche

 

Der Feldhase versteht sich auf besonders ausgewählte Kost.  Als typischer Bewohner der offenen Landschaft rückt er bevorzugt in der Dämmerung zu Felde und sucht nach Gräsern und Kräutern, wie  Kamille, Schafgarbe, Hirse und Weißklee. Meister Lampe sucht dabei – das zeigen Untersuchungen – diese Pflanzen ganz gezielt aus, weil er instinktiv um deren heilsame Wirkung weiß. Die Jäger bezeichnen abwechslungsreiche Wildkräuterstreifen deshalb als „Hasenapotheke“.

 

Die Häsin braucht „Hochprozentiges“

 

Solange die Häsin ihren Nachwuchs säuft, muss sie ihren hohen Nährstoffverbrauch über eine gesteigerte Futteraufnahme und höhere Nährstoffgehalte im Futter decken. Jägervorstand Albert Reiner: „Ganz entscheidend ist dabei der Fettgehalt des Futters. Ein hoher Fettgehalt bedeutet eine bessere Energieversorgung.  Nur wenn die Häsin mit dem Futter ausreichend Fett-, Eiweiß- und Mineralstoffe aufnimmt, ist sie in der Lage, den Junghasen eine besonders „hochprozentige“ Milch zu liefern. Der Fettgehalt in der Hasenmilch sollte rund 27 Prozent betragen. Nur dann wachsen die kleinen Hasen, die meistens nur einmal am Tag gesäugt werden, schnell aus der kritischen Phase der ersten Lebenswochen heraus.“

Außerdem dient die fettreiche Milch auch dem Wärmeschutz der kleinen Häschen.

 

Lebensraum schaffen ist der beste Schutz

 

In der intensiv genutzten Kulturlandschaft wird es für den Feldhasen schnell eng. Denn Wildkräuter haben da oft keinen Platz. Deshalb werden viele Jäger aktiv, gehen auf ihre Landwirte zu, um gemeinsam dem Hasen die Nahrung und Deckung zu bieten, die er braucht. Vorsitzender Robert Oberfrank: „Manche Jäger legen zusammen mit den Landwirten extra Wildackerstreifen sozusagen als Kräutergarten für den Feldhasen an. Viele Tausend Hektar Brachflächen werden von Jägern und Landwirten attraktiv für Wildtiere gestaltet, in dem große eintönige Anbauflächen durch wildtierfreundliche Kräuterstreifen unterteilt oder Wildwiesen angelegt werden. Solche Maßnahmen werden in Bayern auch vom Staat gefördert. Dieses Engagement ist wichtig, damit wir alle an Ostern auch noch einen Osterhasen sehen können.“