Artenschutz im kleinsten Garten

 

 

 

Der Herbst hat Einzug gehalten und es ist an der Zeit, den Garten winterfest zu machen. Der Jagdverband Donauwörth hat gibt Tipps parat, wie man zahlreichen Tieren mit einfachen Mitteln eine behagliche Winterstube einrichten kann.

 

 

Der Artenschutzbericht der Bundesregie­rung lässt verlauten, dass ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten in Deutschland Gefahr läuft, von der Bildfläche zu verschwinden. Wir Menschen sind durch unsere vielfältigen Eingriffe in die Natur mit dafür verantwortlich, und wir sind alle aufgerufen, unseren Beitrag zum Erhalt der Natur und einer großen Artenvielfalt für die nachfolgenden Generationen zu leisten- im Kleinen wie im Großen.

 

„So wie wir Jägerinnen und Jäger als Hüter der wildlebenden Tiere in Wald, Feld und Flur in den uns anvertrauten Revieren wertvolle ökologische Inseln schaffen, kann jeder auch im kleinsten Garten bestehende Lebensräume erhalten und leicht Neue erschaffen“, wissen die beiden Jägervorstände Albert Reiner und Robert Oberfrank des Jagdverbandes Donauwörth zu berichten.  Selbst kleinste Maßnahmen können die Artenvielfalt bewahren oder sogar erhöhen.

 

Die Devise: Hauptsache naturnah!

 

Den besten Artenschutz bietet ein Garten, der nicht hundertprozentig auf Ordnung getrimmt ist. Eine gewisse Unordnung im Garten schafft Lebensraum. Ein naturnaher Garten mit ausgewählten Pflanzenarten ist ein Zuhause für viele verschiedene Tierarten. „Diese machen uns Naturliebhabern nicht nur Freude, sondern haben wichtige Aufgaben, indem sie zum Beispiel Pflanzen bestäuben oder im Kampf gegen Schädlinge helfen, so dass keine chemischen Schädlingsbekämpfungsmittel zum Einsatz kommen müssen.“ berichtet Jägervorsitzender Oberfrank. Nebenbei bemerkt ist eine hohe Artenvielfalt in Flora und Fauna auch förderlich für das Klima.

 

Schützende Behausungen für den Winter

 

Während wir uns im Herbst und Winter in schützende Behausungen zurückziehen können, nimmt der Überlebenskampf für die Tiere draußen durch Kälte, Nässe und Hunger zu. Durch die unterschiedlichsten Überwinterungsstrategien überstehen Pflanzen und Tiere die kalte Jahreszeit zwar seit Menschengedenken. „Ein schützendes Quartier ist in der kalten Jahreszeit auch für unsere Tiere Gold wert,“ so Jägervorstand Albert Reiner „und dafür können wir alle sorgen!“

 

„Wilde Ecken“ im Garten mit Laub und Reisig sowie Totholzhaufen, die mindestens bis April oder aber am besten gleich das ganze Jahr dort belassen werden, bieten Insekten, Igeln, Reptilien und Amphibien Nahrung, Unterschlupf und Winterquartier. Besonders Käfer, Spinnen, Eidechsen und Wildbienen profitieren vom Totholz, aber auch viele Moose und kleine Pilze fühlen sich hier wohl. Auch eine Trockensteinmauer oder Steinpyramiden bieten verschiedenen Arten ganzjährig ein Zuhause. Mit ein bisschen Kreativität kann ein Totholzhaufen oder eine Steinpyramide attraktiv gestaltet und zum Hingucker werden.

 

Während natürliche Baumhöhlen und Nistkästen in der warmen Jahreszeit ganz unterschiedlichen Tierarten als Brut- und Geburtsstätte dienen, kommt diesen in der kalten Jahreszeit eine große Bedeutung als Überwinterungsort oder Schlafplatz zu. So kuscheln sich in kalten Winternächten, gerne Meisen aneinander, Bilche wie der Siebenschläfer verschlafen gleich die kalte Jahreszeit bis zum Frühjahr. Ebenso wichtig wie Nistmöglichkeiten sind dichte Hecken aus Weißdorn, Schlehen, Pfaffenhütchen, Holunder, Wildrose und Haselnuss. Diese bieten Schutz vor jagenden Katzen oder Mardern und ergänzen im Winter das Nahrungsangebot durch ihre Früchte.

 

Gewollte Unordnung für Klima- und Artenschutz

 

Nicht jede Wiese sollte mehrmals jährlich gemäht werden,“ empfehlen die beiden Jägervorstände. „absterbende Pflanzen und trockene Pflanzenreste bieten Kleingetier ein Überwinterungsquartier.“ erklärt Revierinhaber Robert Oberfrank.  Auch Staudenpflanzen, die nicht zurückgeschnitten werden, kommen als Winterlebensraum für Insekten zum Einsatz. „Körnerfresser wie Finken, Ammern und Zeisige bedienen sich an den verbliebenden Samenständen von Blumen, und es ist eine Freude, sie dabei zu beobachten“, weiß Artenschützer und Jäger Albert Reiner weiter. Bei der Gartenpflege anfallender Rasenschnitt, Laub und zerkleinerte Zweige können als Mulch auf den Beeten verteilt den Boden und die Pflanzenwurzeln schützen.

 

Unterschiedliche Bodenstrukturen, abwechselnde Bereiche mit Licht und Schatten und ein Mix aus feuchten und trockenen Standorten als Mini-Klimazonen fördern ebenfalls die Artenvielfalt im heimischen Garten. Dabei ist Wasser natürlich ein wichtiges Element in jedem noch so kleinen Garten. Wer keinen Platz für ein Sumpfbeet oder einen kleinen Teich hat, sollte dennoch ganzjährig Tränkstellen für Getier aller Art bereitstellen.

 

Vorsorgen für das Erwachen der Natur im Frühjahr

 

Auch wenn der Winter vor der Tür steht, ist bereits jetzt die richtige Zeit, an das nächste Frühjahr zu denken! Blumenzwiebeln von Frühblühern, wie Schneeglöckchen, Krokusse, Märzenbecher oder Tulpen sollen im Herbst im Garten verteilt werden, damit sie die bereits zeitig im Jahr ausschwärmenden, hungrigen Insekten wie Bienen oder Hummeln ernähren und der Kreislauf des Lebens von neuem beginnen kann.