Erfahrungen eines Jungjägers



 


 
Seitdem ich im Juni letzten Jahres meine Prüfung bestanden hatte, ist aus meiner Sicht wirklich schon viel „passiert“. Eigentlich ist es so, dass jeder Tag eine neue jagdliche Erfahrung mit sich bringt – es ist ja wirklich so, dass alles immer noch sehr neu ist und eigentlich keine Situation der anderen gleicht.

 

Ich darf mich jagdlich in einem Pirschbezirk der Bayerischen Staatsforsten in Unterliezheim entfalten – quasi direkt vor meiner Haustüre. Ich hatte wirklich Glück, gleich zu Beginn hier unterzukommen, zumal es neben Rehwild und Schwarzwild auch Damwild als Standwild in diesem Revier gibt.

 

Zu Beginn widmete ich mich ausschließlich dem Rehwild und konnte dann nach ein paar Anlaufschwierigkeiten 2 passende Stücke erlegen. Es wären sicherlich noch mehrere Möglichkeiten da gewesen, allerdings waren die Situationen für mich nicht passend. Zudem konnte ich bei Einladungen in andere Reviere noch einige Enten, eine Nilgans sowie einen Feldhasen erlegen – jede Situation für sich ein einzigartiges jagdliches Erlebnis für mich als „Frischling“.

 

Im Januar nach der Drückjagd wurde dann noch versucht, den Abschussplan für das Damwild zu erfüllen. Bei einigen Gemeinschaftsansitzen konnte ich zweimal den Anblick eines Spießers genießen, welcher jedoch geschont wurde. Parallel dazu hatte ich nach der Drückjagd, bei welcher von den Treibern frische Fährten von Schwarzwild ausgemacht wurden, eine Kirrung eingerichtet. Dankbar greife ich hier immer noch auf die Tipps und Anregungen meiner ehemaligen Ausbilder zurück. So wurde ein Malbaum eingerichtet, eine Salzlecke installiert, Mais in Löchern eingegraben und natürlich eine Wildkamera installiert.

 

6 Wochen passierte – genau gar nichts in Sachen Schwarzwild. Auf der Kamera bekam ich Rehwild, Damwild, Fuchs, Dachs und Marder zu sehen. Neben den üblichen Verdächtigen unserer Vogelwelt ließ sich sogar ein Eisvogel sehen. Nur vom Schwarzwild keine Spur.

 

Das änderte sich jedoch Anfang März. Sporadisch hatte ich 2 Überläuferkeiler auf der Kamera – mal alleine und dann auch gemeinsam. Daraufhin intensivierte ich meine Kirrtätigkeit. Das hatte zur Folge, dass sich die beiden nun fast täglich sehen ließen. So kamen sie innerhalb einer Woche bereits 3x um 18:30 Uhr, 2x um 23:00 Uhr und einmal Mitten in der Nacht. Zu dieser Zeit hatten wir zunehmenden Halbmond, allerdings war dieser noch nicht so hell, dass es jagdlich vertretbar gewesen wäre, in der Nacht auf ein Stück Wild zu schießen. Da ich bewusst ohne Technik jage, entschied ich mich, einen Ansitz am frühen Abend in der Dämmerung zu machen.

 

Um 18:00 Uhr saß ich auf dem Drückjagdbock, welcher ca. 45 Meter von der Kirrung entfernt auf einer Rückgasse steht. Die erste Zeit konnte ich dem Gesang der Vogelwelt lauschen. Um ca. 18:30 Uhr vernahm ich, dass in einiger Entfernung Wild auf den Läufen war. Die Spannung stieg. Um 18:45 Uhr dann zog der mir bekannte Überläuferkeiler auf die Kirrung. Er begann sofort zu brechen und ließ mir nur sein Haupt bzw. sein Hinterteil sehen. Als er dann erstmals breit stand, konnte ich dann um 18:55 Uhr bei noch guter Sicht einen Schuss aufs Blatt antragen.

 

Stille. Keine Flucht und auch kein Schlegeln zu hören. Aber ich konnte ihn auch nicht sehen. Die Aufregung steigerte sich noch einmal. Hatte ich sauber getroffen? War er geflüchtet? Nach ca. 20 Minuten baumte ich ab und ging Richtung Anschuss. Mir fiel ein Stein vom Herzen, als ich am Stück stand. Er war in eine Kuhle gerutscht und deshalb für mich nicht sichtbar. Ehrfürchtig, immer noch sehr aufgeregt, stand ich nun vor meinem ersten Stück Schwarzwild. Ich war sehr froh, dass ich den Überläuferkeiler mit aufgebrochen 45kg sauber erlegen konnte und wachte einige Zeit am Stück. Danach bekam er seinen letzten Bissen und seinen Bruch. Anschließend versorgte ich das Stück und ließ an diesem noch jungen Abend die ganzen Geschehnisse noch einmal Revue passieren. Alles in allem war das tatsächlich mein intensivstes jagdliches Erlebnis. Und damit meine ich nicht das Erlegen des Stücks. Der ganze Prozess von der Einrichtung der Kirrung, der Auswertung der Kamerafotos und natürlich der Ansitz an sich, bis sich die passende Situation einstellte. Für all diese Eindrücke habe ich den Jagdschein gemacht.

 

Ich war nun wirklich stolz, meiner Familie bestes heimisches Wildbret liefern zu können und zudem einen wichtigen Beitrag für die Regulation des Schwarzwildbestands geleistet zu haben.

 

Ich freue mich auf meine weiteren jagdlichen Aufgaben und Erlebnisse!

 

Waidmannsheil

 

Euer Michael Nödel