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Kommt der Nationalpark Donau-Auen?

 

 

Die Skepsis bei Landwirten, Waldbauern, Grundstücksbesitzern und Jägern aber auch Unternehmen ist groß. Ihre Sorge: Der Nationalpark könnte wesentlich größer werden als derzeit geplant. Jetzt formiert sich auch im Landkreis Donau-Ries Widerstand. Mehr als 1200 Demonstranten äußerten begleitend zu einer Podiumsdiskussion auf dem Hofgut der Bäldleschwaige ihren Unmut.

Ein Nationalpark muss nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz mindestens 10000 Hektar umfassen. Als mögliche Gebietskulisse für einen Auwald-Nationalpark hat das Umweltministerium etwa 3300 Hektar vornehmlich im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen ausgemacht. Das aber ist substanziell zu wenig Fläche,  Das Umweltministerium schaut deshalb auch in den Landkreis Donau-Ries mit den Lech- und Donau-Auen bis Marxheim und Rain und den Staatsforsten bis Kaisheim.

„Kein Nationalpark Donau-Auen!“, riefen die Demonstranten immer wieder. Der Tenor: Man fühle sich von der Bayerischen Staatsregierung übergangen und bevormundet. „Der Nationalpark wird nicht bei uns seine Grenze haben, sondern später fortgeführt“, mutmaßte Marxheims Bürgermeister Alois Schiegg. Seine Gemeinde soll nach den derzeitigen Planungen der Umweltbehörde am Rande des Nationalparks liegen. Tapfheims Bürgermeister klagt über die "regelmäßigen Ideen" der Staatsregierung. "Haben wir nichts anderes zu tun als sich um diesen Schmarrn zu kümmern?" Aus seiner Sicht gebe es genug Naturschutzgebiete, es brauche kein weiteres.

Markus Müller, der Leiter der Hauptgeschäftsstelle des Bayerischen Bauernverbands (BBV) in Schwaben, moderierte die Kundgebung professionell. „Von einem Dialog spüren wir nichts“, sagte Kreisobmann Karlheinz Götz, was dem allgemeinen Tenor der örtlichen Diskussionsteilnehmer entsprach. „Es wird mit allen geredet, nur nicht mit denen, die es angeht“.

"Wir müssen unser kleines Paradies verteidigen", so Karl-Philipp Sautter, der Wirt der Bäldleschwaige. Für ihn als Landwirt gelte die Devise „Schützen durch Nützen“. Daran knüpfte Alois Michel, der Vorsitzende der Waldbauernvereinigung an. Auch er ist gegen einen Nationalpark. Man werde sich mit allen Kräften gegen diesen „Frevel an der Natur“ wehren. Die 2000 Mitglieder seiner Vereinigung jedenfalls pflegten und bewirtschafteten ihre Waldflächen so, dass „Ökologie und Naturschutz“ gegeben seien.

Auch Johann Häußler (Freie Wähler) machte seinem Unmut gegen das Vorhaben Luft. Es sei unverständlich, dass eine „so gut funktionierende Kultur- in eine Nostalgie-Landschaft“ umgewandelt werden solle. Ludwig Bayer aus dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen fragte: „Wo sollen die restlichen Flächen herkommen, wenn private und kommunale Areale nicht mit einbezogen werden sollen?“ Und sein Kollege Klaus Beyrer aus dem Landkreis Dillingen fügte an: „Was will man uns denn noch alles überstülpen?“

Robert Oberfrank, der Jägervorsitzende im Altlandkreis listete Fakten auf: Allein im Landkreis sind sechs Naturschutz- und zwölf Landschaftsschutzgebiete, dazu noch etliche Natura- und Geotop-Flächen ausgewiesen,. Der Jägerchef kritisierte die Nationalpark-Pläne hart. Er sprach von einem „Horst-Seehofer-Gedächtnisnationalpark“. In einem solchen Park, so Oberfrank, würden Bestände mittels eines umfassenden Wildtiermanagements in Verantwortung der Parkverwaltung reguliert. Eine Waidgerechtigkeit bleibt da auf der Strecke. „Da machen wir Jäger nicht mit.“

„Verantwortungslos“ nannte auch Hubert Aiwanger, der Chef der Freien Wähler in Bayern, die Pläne der Staatsregierung. „Herr Seehofer, beenden sie dieses Schauspiel“, forderte Aiwanger. „In Bayern gibt es zwei von 16 Nationalparks. Das wird wohl reichen“, meinte der Politiker. Während Aiwangers Ausführungen immer wieder von Applaus unterbrochen wurden, musste sich Vize-Landrat Reinhold Bittner Schmährufe anhören. Er hatte zuvor zu einer Strategie geraten und in den Raum gestellt, dass man mit der Regierung verhandeln müsse, möglicherweise mit dem Ziel, bei einer Akzeptanz des Nationalparks „die Polder wegzubekommen“. Er selbst habe sich noch nicht entschieden, wie er im Kreistag bei dieser Frage abstimmen werde. Dies, sowie die Aussage, dass man sich nicht gegen den Landkreis ND-Schrobenhausen in seiner Entscheidung stellen würde, wurde vom Publikum als auch von den Mitdiskutanten Götz und Oberfrank als Verrat an den Bürgern des Landkreises gesehen.

Man habe es verdient, mitzureden, und man wolle nicht „zur Erholungsregion der Großstädter“ werden, sagte Alerheims Bürgermeister und SPD-Kreisvorsitzender Christoph Schmid, der sehr eindringlich an dem Beispiel eines geplanten Fahrradweges in seiner Heimatgemeinde aufzeigte, wie stark sich ein eineinhalb Kilometer befindliches FFH-Gebiet die Entwicklung der Gemeinde einschränkt.  Seine Begeisterung für den Nationalpark halte sich „ganz stark“ in Grenzen, erklärte auch der Landtagsabgeordnete Wolfgang Fackler (CSU). Die Politik setze Impulse, es dürfe aber keine Beeinträchtigungen geben. Er forderte dazu auf, den Diskussionsprozess weiterzuführen. Wolfgang Fackler ließ sich aber, zum Missfallen der Anwesenden, nicht zu einer klaren Position gegen den Nationalpark hinreißen.

Einig waren sich Besucher und die Mehrzahl der Diskussionsteilnehmer: Diesen Auftritt kann die Staatsregierung nicht ignorieren.

und skandierten lautstark: "Wir brauchen keinen dritten Nationalpark!"

 

 

R.O.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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