Schulung Waffenhandhabung neu

 

 

Zu einer mehrstündigen Schulungs- und Informationsveranstaltung lud die Zentrale Jäger- und Falknerprüfungsbehörde (AELF Landshut) die Ausbildungsleiter der Jagdschulen in die Bayerische Waldbauernschule nach Kelheim.

 

Hier wurde die neu konzipierte Prüfungsordnung im Prüfungsfach „Waffenhandhabung“ vorgestellt.

 

Ziel der Neukonzeption ist: eine niveauvolle bayernweit einheitliche faire Prüfung für alle Bewerber“.

 

 

Gründe und Ziele der Neukonzeption
Bessere Abstimmung von Prüfung und Ausbildung aufeinander, um Planungssicherheit für alle Beteiligten zu schaffen
Vereinheitlichung und Ausrichtung des Waffenprogramms an aktuelle und jagdpraktische Anforderung
Klarstellung einzelner Sachverhalte
Straffung der Prüfungszeit bei gleichbleibenden Anforderungen an das Niveau

 

Für die Handhabungsprüfung sind folgende Waffentypen festgelegt:
− Repetierbüchse System 98 mit Flügelsicherung
− Repetierbüchse mit Handspannersystem (Blaser R8)
− Drilling (ohne Einstecklauf)
− Querflinte (Bockflinte)
− Pistole
− Revolver
Die Waffenmodelle variieren an den Prüfungsstandorten innerhalb dieses Rahmens.

 

Folgendes Pflichtprogramm ist von jedem Bewerber zu absolvieren:
− Kurzwaffe (Pistole oder Revolver)
− Repetierbüchse (98er oder Handspannersystem)
− Drilling
− Flinte
Das Los entscheidet, welche Kurzwaffe und welche Repetierbüchse geprüft werden.

 

 

Dies hat uns auch als Kreisjagdverband dazu veranlasst einen R8 als Ausbildungswaffe anzuschaffen.

 

Gründe für das neue Waffenpflichtprogramm sind:
die Reduzierung des Anteils der Kurzwaffen zu Gunsten der Langwaffen (1 Kurzwaffe, 3 Langwaffen)
die Ausrichtung an der Häufigkeit des jagdpraktischen Einsatzes der unterschiedlichen Waffentypen
und, dass bayernweit möglichst einheitliche Waffen (insbesondere Repetierer) an allen Prüfungsstandorten eingesetzt werden.

 

Das neue Waffenpflichtprogramm stellt sicher, dass die Bewerber an allen für die Jagdpraxis gängigen Waffensystemen ausgebildet werden
• Pistole (Halbautomatische Waffe)
• Revolver
• Repetierer mit Modernem Handspannersystem
• Repetierer mit 98er-System und Deutschem Stecher
• Drilling mit Französischem Stecher (Kombinierte Waffe)
• Flinte
Somit wird der sachkundige Umgang an den relevantesten Waffensystemen sichergestellt!

 

Bei der Prüfung „Waffenhandhabung“ ist ausschließlich der praktische Umgang mit den Waffen unter dem vorrangigen Aspekt der Sicherheit zu prüfen.

Zustandsbeschreibungen an den Waffen sind nicht (mehr) notwendig, um eine ausreichende Leistung in der Handhabung nachzuweisen, und daher nicht (mehr) Teil der Handhabungsprüfung.
Zustandsbeschreibung sollen generell von den Prüfern unterbunden werden.


- Aufgabenstellungen, die nicht unmittelbar mit der sicheren Handhabung von Jagdwaffen zu tun haben (z.B. zum allgemeinen Verhalten auf Gesellschaftsjagden),

&xnbsp; Fragen rein technischer, rechtlicher oder auch jagdpraktischer Natur sind vom Wortlaut des § 14 Abs. 2 JFPO nicht umfasst und werden somit in diesem Prüfungsteil nicht geprüft.
- Das von Prüfern in der Vergangenheit oft geforderte „Schrankfertig machen“ der Waffen ist nicht sicherheitsrelevant und daher nicht (mehr) Bestandteil der Prüfung.

 

 

Beim praktischen Teil steht im Gegensatz zum mündlichen Teil kein Prüfungsgespräch, sondern tatsächliches Handeln im Vordergrund.

 

Die Bewerber sollen in der Prüfung zeigen, dass sie geläufige Lang- und Kurzwaffen selbstständig sicher handhaben können. Für die Prüfer müssen alle relevanten Handhabungsschritte optisch oder akustisch wahrnehmbar und überprüfbar sein. Es liegt daher im Interesse der Bewerber und kann Missverständnissen vorbeugen, wenn die Handhabungsschritte gleichzeitig verbal kommentiert werden. Insbesondere bei der vollständigen Kaliberfeststellung ist es notwendig die Angaben an Waffen und Munition vorzulesen.


Handhabungsregeln

 

Vor jedem Laden ist die Munition vollständig auf Übereinstimmung mit der Kaliberangabe an der Waffe zu prüfen. Dies gilt insbesondere auch für das fiktive Nachladen neuer Patronen.
Es ist nicht ausreichend die abgeschossene Patrone nur teilweise oder ganz aus dem Patronenlager zu ziehen und diese als „neue“ Patrone ohne erneute Kaliberüberprüfung zu laden.

 

Zur vollständigen Kaliberfeststellung muss der Bewerber alle relevanten Angaben auf der Waffe bzw. der Patrone ablesen und nennen, damit die Überprüfung für die Prüfer auch nachvollziehbar ist.

 


Relevante Angaben sind:
- Kaliber
- Hülsenlänge (entfällt bei den vorgelegten Kurzwaffen und bei Angaben in Zoll)
- sicherheitsrelevante Zusätze z.B. R, IS oder Magnum

 

 

Jede Waffe ist nach der vollständigen Sicherheitsüberprüfung und nach der jagdlichen Situation schießstandgerecht abzulegen.

 


„Schießstandgerecht“ heißt in der Handhabungsprüfung:
− entladen
− Verschluss geöffnet
− gesichert
− Magazin entleert (bei Pistole auch entnommen)
− Laufmündung zeigt in eine sichere Richtung

 

In der Schulung gelang es den Referenten sehr anschaulich und tlw. komödiantisch Prüfungssituationen darzustellen, die in der Vergangenheit wirklich wenig Relevanz zur praktischen „Waffenhandhabung“ hatten.

Die Veränderungen sind in der Summe als sehr positiv zu betrachten. Es gilt abzuwarten, ob es jeden Prüfer gelingt, tradierte Verhaltensweisen abzulegen und auch wirklich praktisch relevante Dinge und Situationen zu prüfen.

 

 

(Der ausführliche Leitfaden befindet sich im Anhang / Stand 01/22

Ebenso der aktuelle Entwurf des Prüfungsleitfadens)

 

 

Siehe angehängte Datei:

 

211207_Überarbeitung_Prüfungsleitfaden_pT_ENTWURF_Druckversion.pdf

220113_Prüfungsleitfaden_pT_Schulung_Präsentation_Versand.pdf