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Achtung bei Zeckenbissen

Borreliose früh erkennen

 

 

Eine halbe Million Menschen ist in Deutschland chronisch von Borreliose betroffen, meinen Selbsthilfeorganisationen. Wie viele jährlich neu erkranken, darüber gehen die Schätzungen stark auseinander. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit geht von rund 50.000 Menschen aus, das Robert Koch Institut von 60.000. Auslöser dieser heimtückischen Infektionskrankheit sind Bakterien namens Borrelien. Sie gelangen durch Zeckenbiss in die menschliche Blutbahn. Wird die Borreliose nicht rechtzeitig erkannt, kann die Infektion chronische Gelenkbeschwerden verursachen, aber auch den Herzmuskel schädigen. Im Gegensatz zur ebenfalls durch Zeckenbiss übertragenen Frühsommermeningoenzephalitis, kurz FSME, kann man sich bisher noch nicht gegen Borreliose impfen lassen. Deshalb ist es besonders wichtig, die Krankheit frühzeitig zu erkennen.

 

 

FSME-Risikogebiete in Bayern

 

Unter Berücksichtigung der Infektionsorte der gemeldeten Fälle im Jahr 2005

(n=211)

 

Stand 01.03.2006

vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

 

 

 

 

 

Infektion

 

Borrelie © Baxter

Borrelie

Borreliose ist eine Krankheit, die durch einen Zeckenbiss übertragen wird. Zecken tragen Bakterien namens Borrelien in sich. Beim Blutsaugen am Menschen übertragen sich nach einiger Zeit die Bakterien in den Blutstrom des Menschen.

Zecken übertragen zweierlei Krankheiten. Neben den Borrelien, die Borreliose auslösen können, tragen die Zecken noch einen weiteren Krankheitserreger in sich: das so genannte FSME-Virus, das Frühsommermeningoenzephalitis verursachen kann.

 

Wo genau in Deutschlands kann man sich mit Borreliose infizieren?

 

Während das FSME-Virus nur in bestimmten Regionen zu finden ist, kommen die Borrelien-Bakterien überall vor. Das heißt, egal wo Sie in Deutschland von einer Zecke gebissen werden, können Sie sich mit Borreliose infizieren.

 

Wo leben die Zecken und wer ist gefährdet?

 

Schild mit Zeckenwarnung © dpa

Auf Zecken trifft man hauptsächlich in lichten Wäldern, wo sehr viele Farne, Büsche und Gräser wachsen. Dort halten sich Zecken gerne auf, ebenso wie unter Fichtenhecken. Zecken lassen sich nicht, wie häufig gedacht wird, von hohen Ästen fallen, sondern springen den Menschen an. Man kann sie auch versehentlich von Gebüsch und Gräsern abstreifen, wenn man etwa Beeren oder Pilze sammelt oder auch einfach nur im Garten arbeitet, denn auch dort finden sich Zecken.

 

Wann muss man besonders aufpassen?

 

Die Zecken sind im Frühjahr besonders aktiv. Die meisten Zeckenbisse erfolgen im Frühjahr und im Sommer.

 


Vorsichtsmaßnahmen - Was kann man tun?

 

Man sollte auf eine solide Kleidung achten: Also, zum Beispiel nicht barfuß durch den Wald gehen, sondern halbhohe Schuhe tragen. Guten Schutz bieten feste Hosen, wie etwa Jeans. Aber dennoch kann es passieren, dass eine Zecke ein "Schlupfloch" auftut und zubeißt. Insekten abweisende Cremes können ebenfalls hilfreich sein, aber einen wirklich umfassenden Schutz gibt es nicht.

 

Wie entfernt man Zecken am besten?

 

Vollgesaugte Zecke mit Zange © dpa

Man sollte die Zecke - sobald man sie entdeckt - schnellstmöglich entfernen, das heißt vollständig aus der Haut ziehen, am besten mit einer Zeckenzange oder aber mit einer Pinzette oder im Notfall mit den eigenen Nägeln. Dem viel zitierten Tipp, die Zecke links oder rechts herum rauszudrehen, sollte man nicht folgen. Die Wahrscheinlichkeit, dass noch keine Übertragung von Borrelien stattgefunden hat, ist in den ersten sechs Stunden recht groß. Die Übertragung der Bakterien erfolgt meist erst, wenn die Zecke ziemlich viel Blut gesaugt hat, also nach sechs Stunden oder noch später. Außerdem ist nicht jede Zecke mit Borrelien infiziert. Auf keinen Fall sollte man die Zecke und die Bissstelle mit Öl, Benzin oder sonstigen Substanzen bedecken, weil Zecken im Todeskampf vermehrt Borrelien abgeben und damit die Gefahr einer Infektion steigt.

 

Diagnose

 

Zecke © dpa

Zecke

Borreliose ist eine heimtückische Krankheit. Nur vage können die Ärzte bestimmen, wann sich die ersten Anzeichen einer Infektion zeigen werden. Manchmal bleiben sie ganz aus. Dennoch gibt es typische Alarmsignale. Wer häufig in den Wald geht oder sonst viel im Freien unterwegs ist, sollte wissen, worauf er zu achten hat, denn je eher die richtige Diagnose gestellt wird, desto größer sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Therapie.

 

Welche äußeren Anzeichen lassen auf Borreliose schließen?

 

Nach einem Zeckenbiss sollte man den Einstichpunkt beobachten. Fast immer wird dort eine kleine Rötung zu sehen sein, weil jeder Zeckenbiss eine Irritation der Haut darstellt. Die Rötung verschwindet jedoch schnell wieder. Wenn man jedoch infiziert ist, dann taucht nach etwa fünf bis zehn Tagen, manchmal auch erst nach 14 Tagen, an der Einstichstelle erneut eine Rötung auf, die sich dann ausbreitet: die so genannte Wanderröte. Der Kreis der Rötung wird also größer. In diesem Stadium muss man unbedingt zum Arzt gehen. Der wird Antibiotika verschreiben und damit ist die Infektion meist behoben.

 

Warum ist Borreliose so schwer zu diagnostizieren?

Saugende Zecke © dpa

 

Manchmal liegen zwischen der sich ausbreitenden Rötung und dem Zeckenbiss schon Wochen, so dass sich die Menschen gar nicht mehr daran erinnern. Diese Wanderröte sollte jedoch immer als Alarmsignal bewertet werden, denn wird in diesem Anfangsstadium die Borreliose durch die Gabe von Antibiotika nicht wirklich erfolgreich bekämpft, besteht die große Gefahr, dass nach einiger Zeit gravierende Sekundärsymptome auftreten.

Das sind zum Beispiel Kopfschmerzen, neurologische Symptome bis hin zu Lähmungen. Es können Gelenkbeschwerden auftreten, aber auch Herzbeschwerden und vieles mehr. Selbst nach Monaten und Jahren kann es noch zu Symptomen kommen, die schwer als Borreliose zu diagnostizieren und schwierig zu behandeln sind. Ein Beispiel dafür sind chronische Gelenkentzündungen.

 

Lässt sich Borreliose im späten Stadium noch gut diagnostizieren?

 

Mit Einschränkungen. Ärzte werden bei Patienten mit chronischen Gelenkentzündungen häufig den Verdacht haben, dass eine Borreliose ursächlich sein könnte. In solchen Fällen wird dann ein Blutbild gemacht und es werden die Antikörper gegen Borreliose gemessen. Allerdings haben viele Menschen Borreliose-Antikörper, weil eben viele Menschen im Laufe ihres Lebens mit Borrelien in Verbindung gekommen sind. Man kann also eigentlich nur davon ausgehen, dass es tatsächlich eine Borreliose ist, wenn sich der Spiegel der Antikörper noch einmal verändert und kräftig ansteigt oder kräftig zurückgeht. Aber wenn man Gelenkbeschwerden hat und keine andere Ursache gefunden wird, wenn man zudem einen hohen Borrelientiter hat , also viele Anzeichen für Borrelien im Blut, dann empfiehlt es sich sehr, noch einmal massiv Antibiotika zu geben, um so zu versuchen, die Borreliose zu heilen.

 


FSME und Borreliose: Wo sind die Unterschiede?

 

FSME-Erreger © BaxterBei einer Infektion mit FSME-Viren tritt keine Wanderröte auf. Zehn bis zwölf Tage nach dem Zeckenbiss kann es bei FSME zu einer Entzündung der Gehirnhäute und des Gehirns kommen. Das heißt: stärkste Kopfschmerzen, teilweise Lähmungen, teilweise Verwirrtheit. Es gibt leider auch bei der Borreliose solche Symptome im Bereich des Gehirns, aber bei der Borreliose hat man meistens zu Beginn die Wanderröte.

 

Lässt der Zeitfaktor eine Abgrenzung zu?

 

Nicht unbedingt. Beide Infektionen können nach 14 Tagen Inkubationszeit ausbrechen. Es kann aber sowohl bei der FSME als auch bei der Borreliose wesentlich mehr Zeit zwischen dem Zeckenbiss und dem Auftreten von Symptomen vergehen. Die einzige zuverlässige Abgrenzungsmethode ist das Messen der Borrelientiter im Blut.

 

Krankheitsverlauf

 

Hat man sich durch einen Zeckenbiss mit Borreliose infiziert, signalisiert das der Körper meist durch die so genannte Wanderröte. Fünf bis zehn Tage nach dem Zeckenbiss verfärbt sich die Haut an der Bissstelle. Doch unabhängig von diesem Alarmsignal können die unterschiedlichsten Symptome auftreten. Sie reichen von Fieber in der ersten Zeit bis hin zu Lähmungserscheinungen in einem fortgeschritteneren Stadium.

 

Wie lange dauert es vom Biss zu ersten Anzeichen von Borreliose?

 

Wanderröte © NDR

Zuverlässige Angaben sind schwierig, denn die Borreliose ist heimtückisch. Normalerweise tritt die Wanderröte fünf bis zehn Tage nach dem Biss auf, aber manchmal zeigt sie sich auch gar nicht. Dann wird die Borreliose erst wahrgenommen, wenn sie schon im zweiten Stadium ist. Da kann der Zeckenbiss schon Monate her sein.

 

 

Drei Stadien - eine Krankheit:

 

Der Verlauf der Borreliose

Man unterscheidet bei Borreliose drei Stadien der Krankheit.

1. Wanderröte

Im ersten Stadium tritt die Wanderröte auf oder unterbleibt eben heimtückischerweise. Es können gleichzeitig grippeähnliche Symptome auftreten wie Gliederschmerzen oder Müdigkeit und Fieber. Diese Beschwerden klingen wieder ab.

2. Neurologische Beschwerden

Im zweiten Stadium sind es hauptsächlich neurologische Symptome. Die zeitlichen Angaben hierzu sind sehr vage. Man sagt, die Symptome können Wochen bis Monate nach dem Zeckenbiss auftreten. In diesem Stadium kann auch eine Hirnhautentzündung dazukommen, die teilweise sehr quälende Kopfschmerzen bewirkt. Auch Lähmungen sind möglich. Dieses Stadium kann Wochen, teilweise auch Monate andauern. Dann ist es aber meistens ausgestanden. Auch in diesem Stadium kann man mit Antibiotika sehr gut therapieren.

3. Chronische Beschwerden

Zwischen dem dritten Stadium der Krankheit und dem Zeckenbiss können Monate, aber auch Jahre liegen. Es kann zu Veränderungen in den Gelenken kommen. Es können Entzündungen auftreten, meistens nur an einem Gelenk, unter Umständen sind aber auch manchmal mehrere Gelenke betroffen. Borreliose kann in diesem Stadium zudem chronische Hautentzündungen oder chronische Erkrankungen des Nervensystems und sogar des Herzbeutels und des Herzmuskels auslösen. Das sind sehr schwer zu therapierende Krankheitsbilder.

 

Kann Borreliose tödlich verlaufen?

 

Wenn sie Herzrhythmusstörungen verursacht, dann ja. Es hat auch schon Todesfälle wegen Hirnhautentzündung gegeben.

 

Wie häufig sind derart schwere Borreliose-Erkrankungen?

 

In Deutschland glücklicherweise sehr selten. Zwar infizieren sich jedes Jahr circa 40.000 Menschen in der Bundesrepublik mit Borreliose, meistens kann die Krankheit jedoch in den ersten beiden Stadien erfolgreich behandelt werden.

 

Therapie und Schutz

Bisher gibt es gegen Borreliose noch keinen Impfstoff. Derzeit steht nur die konventionelle Therapie mit Antibiotika zur Verfügung. Während im ersten Stadium der Krankheit eine Antibiotikabehandlung meist schon innerhalb von wenigen Tagen anspricht, ist die Behandlung bei einem späteren Verlauf der Krankheit langwieriger.

 

Wie therapiert man Borreliose in einem fortgeschrittenen Stadium?

 

Glücklicherweise reagieren Borrelien sehr gut auf bestimmte Antibiotika, auch in einem fortgeschrittenen Stadium. Übrigens: Die spiralförmigen Borreliose-Bakterien sehen so ähnlich aus wie die Überträger von Lues (Anmerkung der Redaktion: Lues = Syphilis). Ist nun die Infektion bereits seit Monaten im Körper, muss eine sehr massive Antibiotikatherapie durchgeführt werden - mit entsprechend hohen Dosen. Einige Zeit nach einer erfolgreichen Antibiotika-Therapie wird man per Blutuntersuchung die Borrelientiter noch einmal untersuchen; also nachschauen, wie viele Hinweise auf Borreliose-Bakterien sich noch finden lassen. Wenn der Titer langsam sinkt, kann man wieder beruhigt sein.

 

 

Impfungen

 

FSME

Nach Irritationen im vergangenen Jahr gibt es nun auch für Kinder wieder einen Impfstoff gegen FSME. Eine derartige Impfung ist anzuraten, wenn man in einem FSME-Epidemie-Gebiet lebt oder dort Urlaub machen möchte und sich viel im Freien aufhält.

Borreliose

Bisher gibt es noch keinen Impfstoff gegen Borreliose, aber man arbeitet daran.

 

Gibt es andere Möglichkeiten sich vor Borreliose zu schützen?

 

Nein, weitere Schutzmöglichkeiten gibt es derzeit nicht. Übrigens: Vor Tipps, denen zufolge man nach einem Zeckenbiss prophylaktisch Antibiotika gegen Borreliose einnehmen soll, wird gewarnt. Das sollte man auf keinen Fall tun. Prophylaktische Antibiotikagaben können Resistenzen auslösen. Also: Die Wanderröte durch den Arzt behandeln lassen! Damit ist man auf der sicheren Seite!

(Quelle BR)

 

 

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